07 Feb

Alsterdorf: „Luther und die Juden“: Zweiter Studientag im Rahmen des Reformationsjubiläums

Titel Rien van der Vegt

„Luther und die Juden“: Zweiter Studientag im Rahmen des Reformationsjubiläums an der Bugenhagenschule Alsterdorf

Zum Auftakt hörten die Schülerinnen und Schüler der 11. bis 13. Jahrgangsstufe einen Vortrag von Rien van der Vegt von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Vereinigung in Hamburg übers Luthers Judenfeindlichkeit.

„Erstlich, dass man ihre Synagogen oder Schule mit Feuer anstecke und, was nicht brennen will, mit Erde überhäufe und beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich.“ Dies war eine von sieben Forderungen, die Luther in seiner späten Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“ von 1543 veröffentlichte. Darüber hinaus forderte er, dass man ihre Schriften vernichte, Rabbiner nicht unterrichten dürfen, sie nicht reisen dürfen, keinen Grundbesitz haben dürfen, keine Bankgeschäfte ausüben dürfen und arbeiten sollen.

Rien van der Vegt von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Hamburg verdeutlichte in seinem rund einstündigen Vortrag in der St. Nicolaus-Kirche den Schülerinnen und Schülern der Bugenhagenschule die Judenfeindlichkeit Luthers. Nach einer kurzen Einführung über die verbreitete Judenfeindlichkeit im Mittelalter berichtete er über die Vita des 1483 in Eisleben geborenen Reformators Luther, der zunächst Mönch war, sich dann aber von der katholischen Kirche abwendete, als Augustinermönch und später Theologieprofessor tätig war und in der Wartburg die Bibel ins Deutsche übersetzte. In seiner 1523 veröffentlichten Schrift „Dass Christus ein geborener Jude sei“ ging Luther mit den Juden noch moderater um. Er forderte, dass aus den Juden „viel rechte Christen“ werden. In seinen Spätjahren verfolgt der Reformator die Juden dann mit „Hass, unflätigsten Beschimpfungen und auch blutrünstigen Vernichtungsphantasien“ wie der Luther-Biograf Heinz Schilling schreibt.

Leitung
Schulleitung und Schüler

Im weiteren Verlauf des Vortrages ging van Vegt darauf ein, wie in der NS-Zeit Luthers Judenfeindschaft wieder aufgegriffen und instrumentalisiert wurde. Van der Vegt verdeutlichte auch, wie die evangelische Kirche mit diesem Erbe heute umgeht. Im Zuge der Vorbereitungen für das Reformationsjubiläum 2017 nimmt die evangelisch-lutherische Kirche in einer Erklärung von 2015 “Martin Luther und die Juden – Notwendige Erinnerung zum Reformationsjubiläum” kritisch Stellung zu Luthers Rezeption in der NS-Zeit.

Nach dem Vortrag gingen die Schülerinnen und Schüler der Bugenhagenschule in Arbeitsgruppen in ihre Klassenzimmer und bearbeiteten in Kleingruppen verschiedene Themen.

Schüler

mehrere Schüler
Schüler bei der Gruppenarbeit

In der Gruppe „Die Darstellung der Juden in der Kunst des Mittelalters“ wurde herausgearbeitet, dass in zahlreiche Werken der christlichen Kunst des Mittelalters zwei Frauen dargestellt sind: Die Ecclesia (Kirche) repräsentiert das Christentum und nimmt dabei eine triumphierende Haltung gegenüber der Synagoga (Synagoge) des Judentums ein. Die Synagoge wird als blind dargestellt, da das Judentum die Rolle Jesu als Erlöser Jesu nicht anerkennt.

In der Arbeitsgruppe zu Luthers Bibelübersetzung erarbeiteten die Schüler und Schülerinnen, dass Luther die Grundlage des Judentums durch seine Übersetzung einem großen Teil der Bevölkerung überhaupt erst bekannt machte. Sein Deutsch wirkte zudem stil- und sprachbildend für Jahrhunderte.

Die nächste Arbeitsgruppe beleuchtete Luthers Ablehnung des Judentums als “Gesetzesreligion” vor dem Hintergrund seiner Rechtsfertigungslehre. Sie kam zu dem Ergebnis, dass Luther gegen die Auffassung war, man könne sich Gott gegenüber durch gute Werke rechtfertigen. Gnade vor Gott erfolgt durch den Glauben selbst. Nach Luther missbrauchen Juden Gottes Gesetz zur Selbstrechtfertigung und dieser Missbrauch gefährdet den wahren Glauben.

In vierten Arbeitsgruppe findet eine Auseinandersetzung mit Auszügen aus “Dass Jesus Christus ein geborener Juden sei” von 1523 statt. Die Frage, mit der sich die Schülerinnen und Schüler dieser Arbeitsgruppe beschäftigten, war, warum Luther sich zunächst freundlich gegenüber den Juden verhielt. Luthers Intention im brüderlichen Handeln den Juden gegenüber lag in der Idee, sie zum Christentum zu bekehren.

Die Teilnehmenden einer weiteren Arbeitsgruppe beschäftigen sich mit Texten aus der Schrift “Von den Juden und ihren Lügen” von 1543. Sie arbeiteten Luthers Judenfeindlichkeit heraus und wie die Nazis diese Spätschriften Luthers antizipierten.

In der letzten Arbeitsgruppe ging es um das Thema Toleranz und der Frage, welche Möglichkeiten der Toleranz bietet die reformatorische Theologie. Zuerst beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler mit ihrer eigenen Bereitschaft, andere Menschen und deren Verhalten zu tolerieren. Martin Luther tolerierte Glaubens- und Gewissensfreiheit, da er der Meinung war, dass jeder Mensch zu respektieren ist. Deshalb akzeptierte er es nicht, wenn man versuchte, Mitmenschen von seiner Religion zu überzeugen. Er tat dies selber auch, jedoch hielt er es nicht für Missionierung, sondern für seine Meinung, welche nach seiner Auffassung der Wahrheit entspricht.

Beitrag und Fotos: Berendt